Entry: Magnitudo animi Friday, March 20, 2009



Allerdings zeigen sich im Corpus der philosophischen Schriften einige Spuren davon, dass Cicero sich auch mit anderen Begriffen der magnitudo animi auseinanderzusetzen versucht hat. So spricht er in einem Zusammenhang, der anerkanntermaßen auf Antiochos zurückgeht, unter Berufung auf ältere Philosophen von der Entstehung der magnitudo animi aus den semina, die in der menschlichen Natur angelegt seien. Inhaltlich bestimmt er dann die magnitudo animi als die Eigenschaft, qua facile posset repugnari obsistique fortunae. Eingeordnet wird sie in die Gruppe der vier Kardinaltugenden an Stelle der fortitudo: Antiochos -- und mit ihm Cicero -- folgt also hierin, in der Begriffsbestimmung der magnitudo animi sowie ihrer Einordnung ins System der Tugenden, genau der mittelstoischen Doktrin, wie sie Panaitios vertreten hatte. Trotzdem ist die Anschauung schon insofern anders, als die magnitudo animi mit dem Gedanken der organischen Entwicklung in Verbindung gesetzt wird. Weitere Unterschiede im einzelnen will ich hier nicht ausführen, da ich mir eine Entscheidung darüber nicht anmaße, ob Cicero die Verschiedenheit des mittelstoischen Begriffs der megalopsychia von dem des Antiochos wirklich bis in alle Konsequenzen hinein bewußt und klar erkannt hat: und nur seiner Terminologie gelten ja hier unsere Ausführungen. -- Historisch gesprochen, nichtstoisch ist Ciceros Begriff der magnitudo animi auch im ersten Buch der Tuskulanen, wo es -- in betonter Fortführung platonischer Gedanken -- heißt, die Philosophie habe uns zuerst zum cultus deorum, dann zur iustitia, dann zur modestia und magnitudo animi erzogen: auch hinter dieser Lehre steht ein Kanon der vier Haupttugenden, in dem die magnitudo animi die ehemalige fortitudo vertritt.

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