Entry: Der römische Ruhmesgedanke Friday, May 22, 2009





Die boni, die Vorkämpfer der republikanischen Traditionen sind durchaus noch Leute des praktischen Lebens. Eine gründlichere Umwertung des Ruhmesgedankens bringt die Einwirkung der griechischen Gedankengänge mit sich, die wir am sichersten zuerst in Ciceros philosophischen Schriften greifen können. Bestimmend für die Bewertung des Ruhmes bei den griechischen Philosophen der nachklassischen Zeit ist es, dass nicht ein praktisches Ideal verfolgt wird, wie in Rom, sondern ein theoretisches: So wird konsequenterweise die Frage, ob Tugend oder Geltung wertvoller sei, radikal zugunsten der Tugend entschieden. "Höheren Wert als der Ruhm hat die moralische Tugend" verkündet Cicero in seinem Alter, und die gleiche Haltung geht dann durch die Schriften des Seneca durch. Die Entwicklung tendiert dahin, die boni, welche ein richtiges Urteil über die Dinge haben, die den Staat unmittelbar angehn, gleichzusetzen mit den Philosophen. Zweifellos mit einigem Schein des Rechtes: Denn die Evolution wird offenbar dadurch unterstützt, dass unter dem Prinzipat die Republikaner zunächst aus der praktischen Politik ausgeschaltet werden. Nun ist es aber bekannt, dass mit geringfügigen Unterbrechungen bis zur Zeit des Nerva die republikanische Opposition in engstem Connex mit der stoischen Opposition stand, ja dass beide zusammen recht eigentlich eine völlige Einheit darstellen. Es ist demnach leicht verständlich, dass -- wie es scheint, bereits unter Tiberius -- die Identifikation der boni mit den Philosophen vollzogen wird. Jedenfalls konnte Valerius Maximus auf den Beifall seiner Leser rechnen, wenn er schrieb: Zum allerherrlichsten Glanz des Ruhmes erhob sich Sokrates.

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