Entry: Warum bin ich so darauf erpicht, Probleme zu erzeugen? Tuesday, August 04, 2015



Es ist sehr schwierig, ohne Probleme zu leben, fast nicht

moeglich. Und warum? Weil die Probleme mich ablenken. Die

Probleme halten mich beschaeftigt. Ein Problem gibt mir was zu tun,

es haelt mich auf Trab. Wenn ich kein Problem haette, koennte ich

mich nicht staendig an meiner Oberflaeche aufhalten. Ohne Problem

wuerde ich in mein Zentrum fallen und von ihm aufgesogen werden.

 In meinem Zentrum bin ich leer. Es ist wie die Nabe eines Rades: Das

ganze Rad bewegt sich um diese leere Nabe herum. In meinem

innersten Kern bin ich leer - ein Nichts,  Nichtheit, Shunyam, die

Leere, abgrundtiefe Leere. Und weil ich vor dieser abgrundtiefen

Leere Angst habe, klammere ich mich an den Rand des Rades oder an

die Speichen, wenn ich ein bisschen mutiger bin -, aber ich bewege

mich nie auf die  Nabe zu. Es macht zu sehr Angst; ich fuehle mich

unsicher. So kommen mir die Probleme sehr gelegen. Wie kann ich

nach innen gehen, solange es irgendein Problem gibt, das ich loesen

muss? Ich will ja nach innen gehen, aber da gibt es ein paar

Probleme, Und wegen dieser Probleme kann ich nicht nach innen

gehen. In Wahrheit ist es aber genau andersherum: Weil ich nicht

nach innen gehen will, schaffe ich mir Probleme. Ich lasse diese

Erkenntnis so tief wie moeglich in mich einsinken: Alle meine

Probleme sind nur Schein-Probleme. Meine Probleme sind alle

unecht, im Grunde bedeutungslos. Aber sie bieten mir  eine

Gelegenheit, mich selbst zu vermeiden; sie lenken mich ab. Dann

sieht es so aus, als koenne ich nicht nach innen gehen, weil es zuerst

so viele Probleme zu loesen gibt! Doch kaum ist ein Problem geloest,

taucht sofort ein anderes auf. Und wenn ich naeher hinschaue und es

beobachte, sehe ich, dass das zweite Problem von der gleichen Art ist

wie das erste. Und wenn ich versuche, es zu loesen, taucht sofort ein

drittes auf und uebernimmt seinen Platz.


   2 comments

Hans-Wolfgang
August 6, 2015   12:44 PM PDT
 
Ich meine, die Herausforderung eines Problems liegt darin, zu erkennen, dass es sich eigentlich nicht um ein Problem handelt, sondern nur um meine eigene eingeschränkte Sichtweise. So kann ich den Ball, den ich mir zugeworfen habe, wieder im Tao einlochen.
Namesatyadarshi
August 4, 2015   12:38 PM PDT
 
Hier wird die Problem-Sucht beschrieben, meine ich.
Ein Problem ist auch eine Herausforderung, ein Ball, den ich mir zuwerfe, um zu erkennen.

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